Einmal war ich weich wie früher Weizen,
doch, du Rasender, du hast vermocht,
mir das hingehaltne Herz zu reizen,
dass es jetzt wie eines Löwen kocht.
Welchen Mund hast du mir zugemutet,
damals, da ich fast ein Knabe war:
eine Wunde wurde er: nun blutet
aus ihm Unglücksjahr um Unglücksjahr
Täglich tönte ich von neuen Nöten,
die du, Unersättlicher, ersannst,
und sie konnten mir den Mund nicht töten;
sieh du zu, wie du ihn stillen kannst
wenn, die wir zerstoßen und zerstören,
erst verloren sind und fernverlaufen
und vergangen sind in der Gefahr:
denn dann will ich in den Trümmerhaufen
endlich meine Stimme wiederhören,
die von Anfang an ein Heulen war.
Rainer Maria Rilke, Mitte August 1907, Paris
1 Kommentar:
"Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt... sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte nicht!" (Jer 20,7.9)
Wow, Rilke beieindruckt mich durch seine Darstellung von Jeremias Gottesbeziehung. Lange habe ich nach einem einfacherem Bild dafür gesucht. Ich habe bislang aber nur eines gefunden. Auch das nicht wirklich leichter. Leider braucht man auch dazu einen gewissen Zugang, eine bestimmte Neigung.
Es handelt sich dabei um einen Tanz:
den Tango.
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