Kardinal Martini warnt vor Eitelkeit und Neid in der Kirche
Auch Verleumdung trete häufig in der Kirche auf. „Ein Segen sind jene Diözesen, in denen keine anonyme Briefe geschickt werden. Es gibt ganze Diözesen, die von anonymen Briefen zerstört worden sind, die oft auch in Rom geschrieben werden“, so Martini, der 22 Jahre lang Mailänder Erzbischof war.
Der Kardinal warnte auch vor Eitelkeit in der Kirche. „Groß ist die Eitelkeit der Kiche, die sich schon in den Gewändern zeigt. In der Vergangenheit trugen die Kardinäle Gewänder mit einer sechs Meter langen Seidenschleppe. Ständig kleidet sich die Kirche mit sinnlosen Ornamenten. Sie hat diesen Hang zur Eitelkeit“, sagte der 81-jährige Kardinal, der an der Parkinsonschen Krankheit leidet und in Jerusalem lebt.
Martini warnte die Priester vor dem Streben nach Karriere. „Auch in der römischen Kurie will jeder mehr sein. Daraus entsteht eine gewisse Zensur der Worte. Man sagt bestimmte Dinge nicht, weil man weiß, dass sie der Karriere schaden könnten. Dies ist ein riesiges Übel der Kirche, weil dies uns daran hindert, die Wahrheit auszusprechen. Man sagt das, was den Vorgesetzten gefällt, man handelt nach dem, was man für deren Wunsch hält und leistet dabei selbst dem Papst einen sehr schlechten Dienst“, sagte Martini.
„Leider gibt es Priester, die sich zum Ziel setzen, Bischöfe zu werden, und es gelingt ihnen. Es gibt Bischöfe, die nicht sprechen, weil sie wissen, dass sie sonst nicht befördert werden. Einige sprechen nicht, um ihre Kandidatur als Kardinal nicht zu blockieren. Wir müssen Gott um das Geschenk der Freiheit bitten. Wir sind aufgefordert, transparent zu sein und die Wahrheit zu sagen“, sagte Martini.
Der Kardinal warnte auch vor einer „Scheinreligiösität“ unter den Geistlichen: „Das ist eine Form von List: eine Religiösität vorzutäuschen, die es nicht gibt.“ Auch das Prahlen sei in der Kirche verbreitet. „Wir lieben mehr den Applaus als die Pfiffe“, meinte der Kardinal.
(www.stol.it) Donnerstag, 5. Juni 2008
Liebe will ich, nicht Schlachtopfer,
Gotteserkenntnis statt Brandopfer.
Darum lernt, was es heißt:
Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
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