28. Juni 2008

"Widersprüchlich"



Heute wurde in Rom von Papst Benedikt das Paulusjahr eröffnet. Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal bewusst zur Bibel griff, war es eine Paulusstelle, die sich mir aufschlug. Und es war ein Aufschlag, im wahrsten Wortsinn. Ein Zusammenprall, der Spuren hinterlassen hat. Seit meiner ersten Begegnung mit Paulus habe ich ihm eine Menge Antwortbriefe geschrieben. Die meisten jedoch nicht die Kirchensituation oder Gemeindefragen, sondern ganz persönliche Glaubensfragen betreffend. Paulus ist mir einer der wichtigsten Weggefährten geworden. Ähnlich, wie D. Bonhoeffer es in seinem eindrücklichen Gedicht "Wer bin ich" schildert, fasziniert mich an Paulus das leidenschaftliche Ringen, seine dramatischen Stimmungswechsel zwischen beinahe schon arroganter Überzeugung und (für die heutige Zeit?) bis an die Grenze der Peinlichkeit gehenden Schwächebekenntnisse.


"Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch. Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes." ( 1 Kor 2, 1-5)

Leider erlebe ich immer wieder, dass viele Frauen wegen seiner Aussagen zur Stellung der Frau in der Gemeinde ihre Schwierigkeiten mit Paulus haben. Man bringt sich um sehr viel, wenn man Paulus darauf beschränkte.

Ich kann ihn euch allen nur ans Herz legen.
Paulus - ein Mensch mit Tiefgang - der sich auszuloten lohnt.

4 Kommentare:

Silke hat gesagt…

"Gnade": Vielleicht gehörte dieser Begriff, diese Haltung, zu den längst verlorengegangenen Wörtern, wäre da nicht Paulus.

Michi hat gesagt…

War es nicht Paulus, der das Größte Gut der Menschen Predigte, die Liebe?
Die Liebe unter den Menschen, also die Nächstenliebe?

Silke hat gesagt…

1. Korinther 12, 2-11 + 31:
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten. Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will ... Strebt aber nach den höheren Gnadengaben! Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt:

Die höheren Gnadengaben - das Hohelied der Liebe

Silke hat gesagt…

Du meinst bestimmt das Hohelied der Liebe? Mir ist immer ganz wichtig, dass man es im Kontext mit dem vorhergehenden Kapitel und dann bis zum letzten Vers des 1. Korinther 13 liest. Leider wird das Hohelied oft um sein Ende beschnitten. Ich bekomme immer die Krise, wenn aus dieser Bibelstelle eine romatische Gefühlsduselei gemacht wird.

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