Folgenden Impuls hat Pater Nikolaus aus Meschede zum Sonntagsevangelium geschrieben:
"Mit Grauen erinnere ich mich an den Sportunterricht während meiner Schulzeit. Ob beim Laufen, beim Weitsprung, beim Kugelstoßen; egal wobei: Ich war immer der Letzte! Mit Bauchschmerzen saß ich morgens im Schulbus, wenn die Bundesjugendspiele anstanden… – von wegen: „die Letzten werden die Ersten sein“.
Jesus erzählt von einem Gutsbesitzer, der mehrfach am Tag auf den Markt ging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Am Abend gab er allen den gleichen Lohn, egal ob sie nun zwölf Stunden oder auch nur eine Stunde gearbeitet hatten. Dass die, die am längsten gearbeitet hatten, darüber sauer waren, kann ich gut verstehen; denn das ist ungerecht!
Und doch sagt Jesus, dass es im Himmelreich so vonstatten gehe. Wenn wir von Gerechtigkeit reden, haben wir andere Vorstellungen… Dabei übersehen wir einen entscheidenden Satz im Sonntagsevangelium, den Jesus dem Gutsherrn in den Mund legt:
„Bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?“"
Ich finde diese Gedanken bringen das Gleichnis Jesu, dass jeder menschlichen Logik entbehrt und unser Gerechtigkeitsempfinden stört, uns ein Stückweit näher.
Mich interessieren eure Köpfe und euer Gedankengut, was ihr am Morgen versäumt und am Nachmittag tut. Mich interessiert bei den Jungen besonders ein schwarzes Schaf und bei den Mädchen die knospenden Augen nach kurzem Schlaf.
Mich interessieren die sterbenden Bäume am Wegesrand. Mich interessieren die Worte von Träumern auf grauer Wand. Mich interessieren die Lieder der Alten aus klassischer Zeit und meine schweigsamen Freunde nach heftigem Streit.
Mich interessieren eure Küchen und wie ihr die Teller spült, wie ihr bei Suppe und Brot den Gang der Geschichte fühlt. Mich interessiert, wenn ihr haushoch verliert und geschlagen seid, was ihr dann denkt und zu welchem Schritt ihr bereit.
Mich interessieren die schaukelnden Schiffe auf unserem Strom und die gebeugten Geschöpfe beim Beten in unserem Dom. Mich interessiert, ob der Heilige Geist sich der Menschheit erbarmt und dafür singt, dass die Menschheit sich plötzlich umarmt.
Mich interessieren die Menschen, die langsam zu Bahnhof gehen, beim Abschied sich küssen und wissen, dass sie sich nicht wiedersehn. All diese Menschen halten sich immer an Menschen fest, all diese Abende mit dem gefährlichen Tagesrest.
Darum, ihr Sterblichen, dank ich, dass ihr gekommen seid, uns zu ermutigen, weiterzumachen in grausamer Zeit. Mich interessiert eure Heiterkeit, ob Ihr schon weiter seid, weiter als ich. Das interessiert mich – wahnsinnig.
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Folgenden Impuls hat Pater Nikolaus aus Meschede zum Sonntagsevangelium geschrieben:
"Mit Grauen erinnere ich mich an den Sportunterricht während meiner Schulzeit. Ob beim Laufen, beim Weitsprung, beim Kugelstoßen; egal wobei: Ich war immer der Letzte! Mit Bauchschmerzen saß ich morgens im Schulbus, wenn die Bundesjugendspiele anstanden… – von wegen: „die Letzten werden die Ersten sein“.
Jesus erzählt von einem Gutsbesitzer, der mehrfach am Tag auf den Markt ging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Am Abend gab er allen den gleichen Lohn, egal ob sie nun zwölf Stunden oder auch nur eine Stunde gearbeitet hatten.
Dass die, die am längsten gearbeitet hatten, darüber sauer waren, kann ich gut verstehen; denn das ist ungerecht!
Und doch sagt Jesus, dass es im Himmelreich so vonstatten gehe. Wenn wir von Gerechtigkeit reden, haben wir andere Vorstellungen…
Dabei übersehen wir einen entscheidenden Satz im Sonntagsevangelium, den Jesus dem Gutsherrn in den Mund legt:
„Bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?“"
Ich finde diese Gedanken bringen das Gleichnis Jesu, dass jeder menschlichen Logik entbehrt und unser Gerechtigkeitsempfinden stört, uns ein Stückweit näher.
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