20. Dezember 2008

Die Geschichte von ‘Paul auf den Bäumen’


(Der sich am liebsten dort aufhält und)

... der nach seinem Ausbruch aus der Anstalt durchs Land streift
Und die Nächte hier und dort verbringt
Habe den vorletzten Heiligen Abend
In einem leeren fahrenden Güterwagen verbracht
Und um die Nacht zu verteilen und den Schlaf zu
Vergessen
Habe er in völliger Dunkelheit
So beschwört er
Mit Kreide auf die 4 inneren Wände des Güterwagens
Alles was in ihm gewesen
Drauf geschrieben und gekritzelt
Beschwört er
Immer ohne zu wissen
Was er nun schreibe und ob es anderntags leserlich sei
Bis alle Wände
Er habe sie mit der Hand abgetastet
Voll Kreide und Schrift gewesen
Dann wäre er eingeschlafen

Und sei am Morgen erwacht
Irgendwo in der Welt zwischen Brisbane und Stavanger
Und er habe die Tür geöffnet,
Und Licht sei geworden
Und auf den Wänden
Voll Lebenszeichen und Hilferufen
Wutausbrüchen und Sanftmut und Jahreszahlen
Habe auf einmal gestanden
Überall, hinter- und übereinander
Und unter und durcheinander
Und überall,
Sogar an der Decke des Wagens
Und auf dem Boden
Die er beide gar nicht beschrieben
Beschwört er
Habe auf einmal deutlich zu lesen
Gestanden:

Fürchtet euch nicht

Und wäre nicht wegzuwischen gewesen

(Hanns Dieter Hüsch)

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