15. Mai 2009

"Sprung ins Ungewisse"

Haben wir uns schon einmal zu etwas entschieden, rein aus dem innersten Spruch unseres Gewissens heraus, dort, wo man es niemand mehr sagen, niemand mehr klarmachen kann, wo man ganz einsam ist und weiß, dass man eine Entscheidung fällt, die niemand einem abnimmt, die man für immer und ewig zu verantworten hat? [...] Wenn wir diese Erfahrung des Geistes machen, dann haben wir (wir als Christen mindestens, die im Glauben leben) auch schon faktisch die Erfahrung des Übernatürlichen gemacht. Sehr anonym und unausdrücklich vielleicht. Aber wir wissen, wenn wir in dieser Erfahrung des Geistes uns loslassen,... dann ist nicht nur der Geist, sondern der Heilige Geist am Werk. Dann ist die Stunde seiner Gnade." (Karl Rahner)


2 Kommentare:

Lisa hat gesagt…

Der Eintrag setzte bei mir ein lange, lisanische Assoziationskette in Gang:

Von Rahners mystagogischen Theologie und dem Liedtitel „Da wird eine Insel sein“ inspiriert kam ich gedanklich zu einem anderen christlichen Mystiker, Thomas Merton.
Dieser Trappistenmönch hat wiederum ein Buch mit dem Titel „Keiner ist eine Insel“ verfasst, aber auch folgendes, inhaltlich zum „Sprung ins Ungewisse“ passende Gebet:

Mein Herr und Gott,
ich habe keine Ahnung, wohin ich gehe.
Ich sehe den Weg, der vor mir liegt, nicht.
Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, wo er enden wird.
Auch mich selbst kenne ich nicht wirklich,
und dass ich denke, deinem Willen zu folgen,
bedeutet noch nicht, dass ich dies auch tatsächlich tue.
Aber ich glaube, dass der Wunsch, dir zu gefallen, dir wirklich
gefällt.
Und ich hoffe, ich habe dieses Verlangen in all meinem Tun.
Ich hoffe, dass ich nie etwas jenseits dieses Verlangens tun werde.
Und ich weiß, wenn ich dennoch tue,
wirst du mich den rechten Weg führen,
selbst wenn ich davon nichts wüsste.
Deshalb will ich dir stets vertrauen,
auch wenn ich verloren und im Schatten des Todes scheine.
Ich werde mich nicht ängstigen, denn du wirst bei mir sein
und mich in all meinen Gefahren niemals allein lassen.

Silke hat gesagt…

"Keiner ist eine Insel"(Th. Merton)

Silke nimmt den lisanischen Faden auf und stellt sich gerade eine Begegnung mit Thomas Merton vor, bei der sie ihm sagt: "Einer ist mir Insel". Wir blicken uns tief an und verstehen ...

Jezt muß ich mich aber von diesem wunderschönen Gedanken losreißen. Martha ruft schon ungeduldig nach mir. Ich soll schleunigst in die Küche kommen, denn wir erwarten bald Besuch. :-)