Grenzland
Grenzland ist das Land,wo wir stehen:
zwischen Erinnerung und Vision,
zwischen Rückblick und Ausschau.
Das Sehen ist wieder zu lernen.
Der Blick ist zu reinigen
in der Schule des Sehens.
Es gilt wieder zurückzublicken,
den langen Weg zurück, den langen Fluss entlang
bis zu der Quelle, der er entspringt:
wieder zu wissen woher wir gekommen sind,
wieder zu schöpfen aus dem Brunnen des Anfangs.
Der Blick in die Ferne ist wieder zu üben,
das Weite zu suchen und die Zukunft
ins Auge zu fassen: ohne Angst.
Zwischen Ursprung und Ferne ist der Ort,
wo du stehst: Du stehst an der Grenze.
Das Hören ist wieder zu lernen
auch die Stimme der Sprachlosen,
auch die Sprache hinter der Sprache.
Wahrzunehmen ist der Klang eines Liedes,
das erst angestimmt ist,
jene Stille ohne Worte,
die dem kommenden Lied vorangeht.
Wahrzunehmen ist auch der Nachhall
der Lieder und der Worte einmal gesprochen:
Ihr Echo ist nicht verstummt.
Zwischen Nachklang und Zukunftsmusik
ist der Ort, wo du stehst:
Du stehst an der Grenze.
An der Grenze ist dein Ort.
Hier ist der Ort der Weitblickenden,
für die Aufmerksamen eine Augenweide.
Hier ist der Ort der Hellhörigen,
für die Achtsamen ein Ohrenschmaus.
Hier sind die Zeichen der Zeit,
die Spuren der Vergangenheit,
die Botschaften der Zukunft.
Im Grenzland weisen die Fragen die Richtung,
der Weg ist ein Frageweg.
Das Fragen ist wieder zu lernen:
nicht das Fragen als Unterhaltung,
nicht das Rätselraten und das Gewinnspiel,
sondern jenes Fragen,das das Leben befragt
und das Geheimnis der Dinge sucht.
Im Land des Fragens ist der Ort, wo du stehst.
Nur wer eine Frage, hat hat auch Zukunft.
1. Januar 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen