11. Dezember 2007

"Adventskalender"

Habt Ihr noch einen Adventskalender daheim? Vielleicht sogar einen selbstgebastelten?

Auch wenn wir schon fast bei der Halbzeit angelang sind, so möchte ich Euch dennoch auf "taeglich-advent" hinweisen. "Erschütterungen" sind in diesem Jahr das Thema des Adventskalender aus Paderborn. Dieses Thema mag befremden, denn mit Advent verbinden wir meist ganz andere Gefühle und Stimmungen, oder nicht? Plätzchenduft und Kerzenschein. Etwas romantisch und ein wenig rührselig, so kennen wir den Advent, mit Weihnachtsmarkt und Glühweinpunsch.

Als Weihbischof Dr. Wiesemann bei der Firmfeier am 15. September von Pater Alfred Delp sprach, da war mein Interesse geweckt. Ich verschaffte mir Lektüre und las dort wahrlich Erschütterndes.

Wer mehr erfahren möchte, der lese weiter unter "Kommentar"...

1 Kommentar:

Silke hat gesagt…

"Die Erschütterung, das Aufwachen: damit fängt das Leben ja erst an, des Advents fähig zu werden. Gerade in der Herbheit des Aufwachens, in der Hilflosigkeit des Zu-Sich-Selbst-Kommens, in der Erbärmlichkeit des Grenzerlebnisses erreichen den Menschen die goldenen Fäden, die in diesen Zeiten zwischen Himmel und Erde gehen und der Welt eine Ahnung von der Fülle geben, zu der sie gerufen und fähig ist ...

Wohl einer Zeit, die ehrlich von sich meinen darf, sie sei keine Wüste. Wehe aber einer Zeit, in der die Stimmen der Rufenden in der Wüste verstummt sind, überschrien vom Tageslärm oder verboten oder untergegangen im Fortschrittstaumel oder gehemmt und leiser geworden aus Furcht und Feigheit. Die Verwüstung wird bald so schrecklich und allseitig geschehen, dass den Menschen das geschriebene Wort Wüste von selbst wieder einfällt. Ich glaube, wir wissen das. ...

Die Johannesgestalten dürfen keine Stunde im Bild des Lebens fehlen. Diese geprägten Menschen, vom Blitz der Sendung und Berufung getroffen. Ihr Herz ist ihnen voraus und deswegen ist ihr Auge so hellsichtig und ihr Urteil so unbestechlich. Sie rufen nicht um des Rufens willen oder der Stimme wegen ...

Den diesjährigen Advent sehe ich so intensiv und ahnungsvoll wie noch nie. Wenn ich in meiner Zelle auf und ab gehe, drei Schritte hin und drei Schritte her, die Hände in Eisen, vor mir das ungewisse Schicksal, dann verstehe ich ganz anders als sonst die alten Verheißungen vom kommenden Herrn, der erlösen und befreien wird. Und immer kommt mir dabei in die Erinnerung der Engel, den mir vor zwei Jahren zum Advent ein guter Mensch schenkte. Er trug das Spruchband: Freut euch, denn der Herr ist nahe. Den Engel hat die Bombe zerstört. Den guten Menschen hat die Bombe getötet und ich spüre oft, dass er mir Engelsdienste tut.

Der Schrecken dieser Zeit wäre nicht auszuhalten - wie überhaupt der Schrecken, den uns unsere Erdensituation bereitet, wenn wir sie begreifen -, wenn nicht dieses andere Wissen uns immer wieder ermunterte und aufrichtete, das Wissen von den Verheißungen, die mitten im Schrecken gesprochen werden und gelten ...

Und das Wissen von den leisen Engeln der Verkündigung, die ihre Segensbotschaft sprechen in die Not hinein und ihre Saat des Segens ausstreuen, die einmal aufgehen wird mitten in der Nacht. Es sind noch nicht die lauten Engel des Jubels und der Öffentlichkeit und der Erfüllung, die Engel des Advent. Still und unbemerkt kommen sie in die Kammern und vor die Herzen wie damals. Still bringen sie die Fragen Gottes und künden uns die Wunder Gottes, bei dem kein Ding unmöglich."

(Alfred Delp SJ, Tagebucheinträge,
zitiert aus "Im Angesicht des Todes")