
Warum ist er nicht abgehauen?
Warum ist er nicht abgehauen, unten im Kidrontal, schnell über den Ölberg und nichts wie weg? Warum ist er mitten hinein gegangen ins Zentrum der Macht, sehenden Auges? Jesus musste doch wissen, dass es ihn das Leben kosten kann. Und so kam es dann auch. Gewiss war er schon öfter nach Jerusalem gepilgert. Das gehörte einfach zu einem frommen Leben. Jetzt aber, zog er bewusst ins Zentrum des Glaubens und der Macht, gezielt und provokativ. Ein Satz enthält den ganzen Skandal, den Jesus auslöst: „Ich werde diesen Tempel niederreißen und in drei Tagen einen anderen errichten“. Dass er womöglich dann auch ganz handfest Händler aus dem Vorhof des Tempels hinaus warf, war die demonstrative Zuspitzung. Aber schon dieser Satz im Stil der Propheten war der absolute Hammer ...
(Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden)
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Eine wilde Gottesleidenschaft war in ihm, ein Sinn für Gerechtigkeit. Jesus empört sich gegen bestehende Unterdrückung. Er heilt und predigt, sagt bösen Mächten den Kampf an, er will den Armen die ersehnte Anerkennung verschaffen – das war sein Programm, sein Leben. So bringt er Gottes Weltherrschaft voran. Alles andere war ihm zweitrangig, offenkundig auch Lebensgefahr und tödlicher Konflikt.
In diesen Kartagen auf Ostern hin steht neu die Frage im Raum: Wer war dieser Mensch, warum ist er nicht abgehauen? Warum setzte er sogar das Leben aufs Spiel? Ich bin sicher, er zeigt damit: Nur Gott soll den Ton angeben, vor allem in den Tempeln und Kirchen. Wenn sogar dort Krämergeist sich breit macht, Egoismus und Unterdrückung, dann hilft nur Widerstand bis aufs Blut. Nicht flüchten, sondern standhalten lautet die Devise. Im Namen Gottes. Deshalb ist er nicht abgehauen.
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