13. September 2008

14. September: KREUZERHÖHUNG



Warum ist die Botschaft vom Kreuz Jesu eine frohe Botschaft?

Am Kreuz wird endgültig aufgedeckt, was wir Menschen seit Kain und Abel sind und wie es in der Welt jenseits von Eden zugeht. Hier wird endgültig entlarvt und offenbar gemacht, was meistens verdrängt und unter der Decke gehalten wird: Dass wir Menschen zwar stets das Gute wollen, es meistens aber unterlassen oder nur halbherzig tun oder gar unter dem Mantel des Guten das Böse durchsetzen wollen.

Jenen also, die die biblische Botschaft vom Kreuz (als ins Leid verliebt) kritisieren, gilt es zu antworten: es macht gerade die Größe des biblischen Gottesglaubens aus, dass hier das ganze Ausmaß faktischer Gewalttätigkeit auf den Tisch kommt, aufgedeckt wird und verwandelt werden kann.

Keine Religion in der bisherigen Menschheit stellt derart in den Mittelpunkt ihres Gottesglaubens den
verwundeten Mitmenschen, das Opfer mitmenschlicher Gewalt - und damit das Problem der Täterschaft. Hier liegt die besondere, ja die einmalige Stärke des christlichen Gottesglaubens. In seinem Mittelpunkt steht der verwundete Arzt aus Nazaret, zeitlebens und zeitsterbens erkennbar an seinen Wundmalen.

Könnte es sein, dass hier die besondere Stärke des biblischen Gottesglaubens liegt, dass er zu einer Kultur kreativen Mitleidens befähigt, zu Vergebung und Feindesliebe? Und dies eben nicht in einer kurzschlüssigen Identifikation mit den Opfern, sondern in der schmerzhaft ehrlichen Konfrontation mit den Tätern in uns und um uns.

(Gedanken und Fragen zitiert nach Gotthard Fuchs, Wiesbaden)

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