7. September 2008

"... da habe ich dich getragen."



" ... da habe ich dich getragen.", so heisst es am Ende in Spuren im Sand, der weitverbreiteten Geschichte von Margaret Fishback-Powers. Im Zusammenhang mit dem heutigen Sonntagsevangelium (Mt 18, 15-20) bin ich auf dieses bemerkenswerte, anrührende Bild gestoßen:
"In der Klosterkirche zu Vézeley in Frankreich ist auf einer Säule diese Darstellung des Judas zu sehen, des Jüngers, der Jesus verriet. Die Abbildung zeigt Jesus trägt den toten Freund, obwohl er an ihm schuldig geworden ist, auf seinen Schultern. Dabei entspricht die Armhaltung Jesu der eines Hirten, welcher ein Schaf auf seinen Schultern trägt. Was für uns heute eine interessante Darstellung ist, war für den mittelalterlichen Pilger eine Sensation, eine theologische Zumutung. Zu der Zeit, als dieses kleine Kunstwerk entstand, war die historische Gestalt des Judas das Symbol für alles Böse geworden, das Menschen überhaupt tun können. Und dieses verhasste Subjekt trägt Jesus auf seinen Schultern." (Quelle: Dominikaner Worms, N. Hinckers OP)

Nun, ist dieses Bild nicht noch immer eine Zumutung an unser Gerechtigkeitsdenken? Empört uns nicht der Gedanke, dass der "Sünder" vielleicht mehr Zuwendung erfahren könnte als der "Gerechte"? Undenkbar, dass er am Ende praktisch für seine Fehler und Boshaftigkeiten auch noch besonders belohnt wird?

Es ist bestimmt lohnenswert, sich beizeiten einmal ein paar ruhige Gedanken über den "Lohn im Himmel" zu machen! Wie stellst du dir das vor? Was erhoffst - was erwartest du dir?

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