7. Oktober 2009

Zeit der Stille

"Wenn es nur einmal so ganz still wäre. Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte, wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen; dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an den Rand dich denken und besitzen..."
(Rainer Maria Rilke)

2 Kommentare:

Michi hat gesagt…

Vielleicht hat Rilke Recht. Wir können uns Gott in der turbulenten, schnelllebigen Zeit garnicht wirklich vorstellen. Er hat garkeinen Raum, keine Zeit, keinen Platz im hier und jetzt, wenn wir hasten, eilen und nie verweilen, ruhen, uns besinnen...

Silke hat gesagt…

Michael, wie schön mal wieder etwas von dir zu hören!

Du kannst es nicht wissen,aber du hast voll ins aktuelle Thema getroffen.

Was dieses Rilke Gedicht angeht, so lag mein Schwerpunkt bislang immer an einer anderen Stelle: Selbst wenn meine Lebensumstände den "tausenfachen Gedanken" möglich machten, käme ich dennoch niemals ans ersehnte Ende.

Natürlich machen wir uns Vorstellungen von GOTT und auch von den Menschen, die uns interessieren oder mit denen wir uns manchmal auch notgedrungen auseinandersetzen müssen. Doch Rilke spricht im Zusammenhang mit dem Bedenken den Wunsch des Besitzens aus. Und das macht mich hier ein wenig stutzig, denn Rilke weiß nur zu gut, dass in personellen Beziehungen kein Besitz möglich ist.

Seltsam, ich habe bei diesem Gedicht niemals an eine laute, hektische Umwelt gedacht, die mich hindert, sondern vielmehr an die vielen verschiedenen inneren Stimmen und Bilder, die ich nur schwer oder niemals ganz loslassen kann um mich dem DU bedingungslos und vollkommen uneingechränkt öffnen zu können.

Mich erinnert "Zeit der Stille" an Karl Rahners Worte: "Glauben heisst, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten."

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