Der Junge schaut seinem Vater beim Schnitzen der Krippenfiguren zu.
Da wurden unversehens die Gestalten lebendig: die Hirten, Maria, das Kind …
Wie von einer unsichtbaren Hand fühlte er sich zum Kind in der Krippe hingezogen, und er stammelte mit trauriger Mine eine Entschuldigung, dass er mit leeren Händen zur Krippe komme.
„Ich möchte aber etwas von dir haben“ entgegnete das Jesuskind.
„Ich schenke dir alles, was ich habe“, antwortete der Junge: „Mein neues Spielmobil, mein Skateboard, den Nussriegel …“
„Nein, nein das alles will ich nicht. Schenk mir deinen letzten Aufsatz!“, sagte das Jesuskind leise, damit es niemand anders hören konnte.
Da erschrak der Kleine. „Jesus“, stotterte er verlegen und kam dabei noch näher an die Krippe: „Da hat der Lehrer doch -ungenügend- drunter geschrieben.“
„Eben deshalb will ich ihn haben“, antwortete das Jesuskind.
„Und in Zukunft sollst du mir all das bringen, wo -ungenügend- drunter steht!
Aber ich möchte noch ein zweites Geschenk von dir: deine Armbanduhr!“
„Aber die ist doch heute kaputt gegangen“, entgegnete der Junge.
„Gerade deswegen gib sie mir. Alles, was in deinem Leben kaputt, was zerbrochen ist, bring es mir: Ich will es wieder heil machen.
Und nun mein dritter Wunsch: Bring mir auch die Antwort, die du deiner Mutter heute gegeben hast, als sie nach deinem Milchbecher fragte!“
Der Kleine legte die Stirn auf die Kante der Krippe und weinte.
„Ich habe sie doch angelogen. In Wahrheit habe ich den Becher nicht umgestoßen, sondern absichtlich aus Wut auf die Erde geschmissen.“
„Bring mir immer das, was in deinem Leben Lüge ist, all das Böse, das du tust“, sagte das Jesuskind, und wenn du mit all dem zu mir kommst, will ich dich annehmen in deiner Schwäche und dir vergeben.“
Der Vater streichelte dem Jungen, der mit der Krippenfigur in der Hand eingeschlafen war, über das Gesicht.
„Warte nur, wenn Weihnachten ist, da wirst du Augen machen … “
Diese Geschichte habe ich gestern in meinem Briefkasten gefunden und sie hat mir auf Anhieb gefallen...
Ich wünsche euch ein besinnliches und vorallem erholsames zweites Adventwochenende!
7. Dezember 2007
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1 Kommentar:
Diese Geschichte ist berührend und sehr tröstlich. Beschreibt aber auch die schwerste Glaubensübung: Das Loslassen.
"Darauf sah ich gen Himmel, nannte Gott zwei Mal du und schwieg lange."
(Jean Paul)
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